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Siegmund Pluznik

Allgemein

»Es ist wichtig – es ist mir wichtig – dass Sie es wissen. Weil nach Elie Wiesel wird jemand, der den Zeitzeugen zuhört, auch zum Zeitzeugen. Woher sollen Sie die Informationen haben? Außer mir weiß es niemand mehr.«

Herr Plutznik ist vor einem halben Jahr in die Budge Stiftung gezogen. Er hat sich schnell eingelebt, man könnte fast meinen, er sei schon immer dort gewesen. Mit seiner beigefarbenen Strickjacke, dem weißen Hemd und der hellen Hose fügt er sich makellos in seine in hellen Farben gestalteten Wohnung ein. Über dem Sofa hängt ein farbenfrohes Bild von den Gärten von Jerusalem. „Das Bild ist von meinem Sohn“ sagt er stolz und zeigt uns ein weiteres Bild, gemalt von einem seiner Enkel. Herr Plutznik ist ein gewissenhafter Mann, dem ab und zu der Schalk im Nacken sitzt. Jeden Morgen, nach dem Aufstehen, hängt er als erstes die Bettwäsche raus. „Meine Nachbarin mag das gar nicht, sie meint es störe ihren Ausblick. Seit sie das gesagt hat, hänge ich meine Wäsche umso pünktlicher raus.“ Herr Plutznik hatte sich als verfolgter Jude im Nationalsozialismus einer Widerstandsbewegung angeschlossen. Nachdem sie von einem  Unterhändler verraten wurden, galt ihre oberste Priorität zu überleben. Herr Plutznik gelang mithilfe seiner Freunde die Flucht über Österreich, Ungarn und die Türkei. „Wir haben uns damals geschworen zu überleben, um von unseren Erlebnissen berichten zu können.“ Dieses Versprechen hat er nie mehr vergessen.